Donnerstag, 28. Mai 2015

DER LATTICH - Vorgänger unseres Kopfsalates

Johann Georg Sturm (Painter: Jacob Sturm) - Figure 45 from
Deutschlands Flora in Abbildungen at 
http://www.biolib.de
Stachellattich

Lactuca serriola



„Der Stachel-Lattich ist die Stammpflanze unseres Gartensalates (Lactuca sativa). Genetische Untersuchungen zeigen so große Ähnlichkeiten zwischen der Kulturform Lactuca sativa und der Wildform Lactuca serriola, dass eine Aufspaltung in zwei Arten nicht gerechtfertigt erscheint." Quelle: Wikipedia.

Und dabei wächst er so unscheinbar an Wegrändern, zwischen Mauerritzen und Pflastersteinen, an Bahnhöfen, auf alten Industriegeländen oder sogar auf Balkons und Terrassen heran. Der stachelige Lattich. Wobei, so unscheinbar dann doch nicht. Am Rande von Weinbergen, in ungepflegten Blumenbeeten oder an anderen Stellen, wo er so ganz nebenbei fleißig gedüngt wird, da kann er schon zu stattlichen Exemplaren heranwachsen. Stachelbewehrt und fast unfreundlich richtet er seine Waffen, direkt auf uns aus. Soll heißen „Lass mich bloß in Ruhe!“ Naja, so richtig traut man sich eh nicht, ihn herauszureißen. Könnte mit ein paar kräftigen Kratzern enden.


Stachellattich/Kompasspflanze in einem
Weinberg in der Pfalz. Foto: Ute Mangold, wiesengenuss
Ein typischer Vertreter der Lattich-Arten ist er, der Stachel-Lattich, auch Kompass-Pflanze genannt. Kompass deshalb, weil er seine Blätter nach dem Sonnenstand ausrichtet. Die wechselständig am Stängel verteilten Laubblätter stehen oft senkrecht, nach Nord-Süd weisend. Eine einjährige Pflanze, die bei in milden Gegenden, wie bei uns in der Pfalz, sogar überwintern kann und dann zweijährig wird.  Wuchshöhen von 30 cm bis sogar 1 Meter 20 werden erreicht. Seine Wurzeln können bis zu 2 Meter in die Tiefe gehen, was Gärtner nicht unbedingt glücklich macht. Wie der Löwenzahn, der ein ferner Verwandter von ihm ist, enthält er einen weißen Milchsaft. Verwechslungsgefahr besteht aber nur im Jugendstadium, später unterscheidet ihn vom Löwenzahn die kräftigen Stacheln auf der Mittelrippe seiner Blätter. 
Auch die Blüten ähneln denen des Löwenzahns. Fast. Sie sind jedoch viel kleiner und an einer Pflanze stehen viele körbchenförmige Blütenstände. Die Blütenkörbchen enthalten 12 bis 20 sogenannte Zungenblüten. Seine Blütezeit ist von Juli bis September.

Der Milchsaft, von dem sich auch die lateinische Bezeichnung Lactuca ableitet, enthält Bitterstoffe. Ursprünglich sollten sie der Pflanze bei der Abwehr von Fressfeinden und Schädlingen helfen, andererseits sind genau diese ja auch für den typischen Geschmack unseres Gartensalats verantwortlich. Sofern es sich noch um einen Salat mit Geschmack handelt. Aus den Wildformen des Lattichs wurde er herausgezüchtet. In der Schweiz wird noch unter der Bezeichnung 'Lattich' der Bindesalat gehandelt.  Beim Bindesalat handelt es sich um den Römischen Salat, auch Romana Salat (auch Kochsalat) genannt. Eine längerblättrige Varietät des Kopfsalates, mit mehr Struktur und Geschmack.


LATTICH vs KOPFSALAT

Lactuca-Arten, und davon gibt es außer dem Stachellattich und dem Kopfsalat noch etwa 100 weitere, enthalten in den Blättern und im Milchsaft hauptsächlich Wasser sowie mehr oder weniger Verbindungen, die latexähnliche Substanzen bilden, sogenannte Triterpene (Lactucerol, Taraxasterol, Lactucon etc.). Die Bitterstoffe können bei besonders empfindlichen Menschen bei Hautkontakt auch eine sogenannte Salatallergie auslösen. Farbstoffe sind Vitamin A und Lactucaxanthin und außerdem enhält er noch Flavonoide wie Quercetin, Apigenin, Lutolin und Luteolin. Das ätherische Öl Cumarin, trägt ebenfalls zum Wohlgeschmack bei. Cumarin ist der typische Heu- oder Waldmeisterduft. Dazu noch Mineralien, Vitamin K1 und Vitamin C.

Apropos Kopfsalat. So gesund wie man gemeinhin denkt, ist er nicht. Eine Brennnessel enthält 25 mal mehr Vitamin C als unser sooo gesunder Salat, der hauptsächlich aus Wasser besteht, und manche behaupten sogar, er wäre so gesund wie ein Papiertaschentuch. Ein paar Wildkräuter und Blüten über den Salat gestreut und schon wird die langweilige Beilage zu einem bunten Vitamin- und Mineralstofflieferanten.



Hier noch ein Auszug aus Planet Wissen:

Die Salatlüge - Wie gesund sind die Blätter?

Salat ist gesund. Das ist eine Lüge, hieß es vor ein paar Jahren in vielen Medien. Ein Salatblatt sei nicht nahrhafter als ein feuchtes Papiertaschentuch, so die These einiger Forscher. Viele Kunden ließ das ratlos zurück: Ist Salat nun gesund – oder nicht?

Nährstoffe: Salat versus Karotten und Co

Salat besteht zu 95 Prozent aus Wasser. Bezogen auf seine Inhaltsstoffe, schneidet Salat daher im Vergleich zu anderem Gemüse tatsächlich schlechter ab. Er besitzt etwa weniger Provitamin A – ein Vorläufer des Vitamin A – und Vitamin C als Tomaten oder Karotten. Salat enthält allerdings mehr Folsäure als anderes Gemüse. Das ist ein Vitamin, das zum Beispiel Fehlbildungen von Säuglingen verhindert. Zudem sollen die sekundären Pflanzenstoffe aus Salat Bluthochdruck, Diabetes und manchen Krebsarten vorbeugen.
Der Nährstoffgehalt von Salat ist allerdings von Sorte zu Sorte verschieden. Vor allem Chicorée, Endivien und Radicchio gelten als vitamin- und mineralstoffreich.

Wann ist Salat gesund?

Wie gesund ein Salat ist, hängt vom Zeitpunkt der Ernte ab. Wer Salat essen will, sollte immer zur Sorte der Saison greifen. Im Frühling beginnt die Zeit des Batavia und der grünen Salate. Kopfsalat aus deutschem Freilandbau gibt es von Anfang Mai bis November.
Im Winter hat Kopfsalat hingegen weder Geschmack noch Vitamine. In der kalten Jahreszeit sollten daher die klassischen Wintersorten wie Feldsalat, Chicorée oder Radicchio auf den Tisch kommen. Zudem gilt: je frischer, desto besser. Der Salat, der frisch vom Feld kommt, enthält noch viele Aromen und Inhaltsstoffe. Es ist daher am besten, regionale Ware aus ökologischem Anbau zu kaufen.

Rohkost, die belastet ist

In Salat und Gemüse können sich Schadstoffe anlagern, zum Beispiel Nitrat. Die Pflanzen nehmen den Stoff aus dem Boden auf, da sie diesen benötigen, um zu wachsen. Nitrat ist für den Menschen zunächst unbedenklich. Gefährlich wird es aber, wenn sich daraus Nitrit bildet, das als krebserregend gilt. Der Stoff entsteht, wenn Salate oder Gemüse luftdicht verpackt werden. Zudem begünstigen bestimmte Enzyme im Speichel und Darm die Bildung des Stoffs.
Wer auf seine Gesundheit achten will, sollte Salate kaufen, die von vornherein einen geringen Nitrat-Gehalt aufweisen, zum Beispiel Freiland- und Bio-Salate. Auch in Salaten, die an einem sonnigen Tag abends geerntet wurden, steckt weniger Nitrat. Das Licht und die Wärme fördern den Abbau des Schadstoffs. Mehr Nitrat enthalten Sorten wie Kopfsalat, Feldsalat und Rucola.
Salate können auch mit Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Quecksilber und mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet sein. Hier hilft kurzes, aber gründliches Waschen. Bio-Salate sind meist weniger belastet als herkömmlich angebaute.

Claudia Heidenfelder/Christiane Tovar, Stand vom 16.04.2015




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